Ralf Wagner
[10.10.2006]
Das "Unterschichtenproblem"
zum Interview mit Kurt Beck in
der FAS vom 8.10. 2006
bzw. "Unterschicht will nicht mehr nach oben" in Die
Welt am Sonntag vom 9.10. 2006
Kurt Beck hat
ein Gespür für die Probleme der Zeit. Ein Neigung nach den
Ursachen zu fragen hat er jedoch nicht. Wenn er nun beklagt, daß
den Kindern der sog. Unterschicht das Streben nach Aufstieg
abhanden gekommen ist, so muß man ihn eindringlich daran
erinnern, daß es doch wohl die Bildungsreformer seiner eigenen
Partei waren, die den Leistungsgedanken gründlich aus den
Schulen vertrieben und durch streßgeminderte Kuschelpädagogik
ersetzt haben. Und es ist doch wohl Becks geliebter versorgender
Sozialstaat, der den Kindern in den Sozialhilfedynastien der
dritten und vierten Generation eindrucksvoll das Gefühl
vermittelt, daß ein auskömmliches Leben auch ganz ohne Arbeit möglich
ist. Gegen diese Erfahrungen stehen Lehrerinnen und Lehrer meist
auf verlorenem Posten.
Dafür, daß sich Leistung immer weniger lohnt , sorgen
neben immer höheren Abgaben an den Staat und die Sozialkassen
auch die denunziatorische Attacken auf die starken Schulten.
Woher kommen die wohl?
Anstatt neue Programme zu erfinden sollten alte Fehler korrigiert
werden. Das Schwierige dabei ist es aber vermutlich, daß man
dann zugeben müßte, welche gemacht zu haben. Da scheint es
allemal einfacher, nach vorne zu blicken und den
Staat mit immer weiteren und teueren Aufgabenfeldern Problem lösen
lassen zu wollen, welche er selber verursacht. Nur funktionieren
wird es nicht.
Diskussionsforum zu den Artikeln | eMail | Fenster schließen